„Selbstausbeutung gehört einfach dazu!“
14.11.2009 11:54 von Zedlacher
Daniel Friesenecker, Herausgeber von junQ.at und Oliver Lukesch, Chefredakteur von subtext.at, sprachen im Interview mit dem Österreichischen Medienverband über ihre Medien-Kinder, sowie das Engagement das die Herausgabe von freien Medien erst ermöglicht.
Medienverband: Die Medien- und Kulturplattform junQ.at hat ordentlich zugelegt und betreut mit dem Online-Magazin subtext.at, der Schülerzeitung frischluft und der Veranstaltungsreihe QLASH gleich drei Projekte. Woraus entstand die Intention junQ.at so zu formieren?
Daniel: Zu allererst, junQ.at entstand aus der Idee in Linz ein unabhängiges Medium für Jugendliche von Jugendlichen ins Leben zu rufen. Das fehlte hier einfach.
subtext.at war so anfangs nicht geplant, denn junQ.at war zu Beginn ein eigenständiges Online-Medium. Schließlich fusionierten wir aber mit der Schülerzeitung frischluft. Daraus entstand dann erst die Idee ein zusätzliches Medium zu konzeptionieren - und das war dann subtext.at, das seit 9.9.2009 online ist.
Medienverband: Gibt es ein Business-Konzept das hinter den Projekten steht?
Daniel: Nein, wir machen alles ehrenamtlich. Bei uns bekommt niemand Geld für seine/ihre Tätigkeiten. Es gibt auch keine Pläne kommerziell aufzutreten. Uns geht es darum, jungen Menschen die Möglichkeit zu bieten, sich journalistisch auszuleben, ein Sprachrohr zu sein - das ist das Konzept das dahinter steht.
Medienverband: junQ.at als Spielwiese für junge Journalisten? Wie sieht die Partizipation des Mediums aus?
Daniel: Jeder und Jede der/die motiviert ist im Medien- und Kulturbereich zu arbeiten ist willkommen. Aufgrund der verschiedenen Projekte gibt es vielfältige Möglichkeiten sich einzusetzen. Die Bandbreite reicht von der Erstellung journalistischer Texte über Fotografie, grafische Gestaltung, Akquise bis hin zur Mitarbeit beim QLASH.
Medienverband: Ob schreiben oder lesen, an wen wendet ihr euch?
Oliver: subtext.at hat vor allem in der Linzer Kulturszene viele LeserInnen. Außerdem sind wir gut vernetzt mit Radio FRO, mit dem wir auch in Zukunft einige Kooperationen planen.Wir versuchen alle Schichten anzusprechen. Die Rückmeldungen - via Facebook und Twitter - kommen hauptsächlich aus dem studentischen Bereich.
Genaue Zahlen zu unseren LeserInnen lassen sich momentan, da wir erst seit September online sind, schwer festlegen. Im Zeitraum September-Oktober waren es an die 3000 LeserInnen, Tendenz steigend.
Daniel: Wir können sagen, das Interesse an unseren Inhalten beginnt bei Jugendlichen ab 17, 18 Jahren und reicht bis in die Gruppe der frühen 30er hinein. Nach oben hin sind wir zwar offen und bekommen auch Feedback von den etwas älteren Schichten, aber prinzipiell lässt sich unsere Zielgruppe zwischen 17 und 30 Jahren verankern.
frischluft hingegen spricht auch jüngere LeserInnen an, da es ein Schülermagazin von SchülerInnen für SchülerInnen ist.
Wie erscheint subtext.at?
Oliver: Unter junQ.at-Zeiten sind wir noch jeden Donnerstag erschienen. Wir haben das aber geändert da sich diese Periodizität negativ auf die Qualität ausgewirkt hat. Unser aktueller Plan ist, dass wir jeden zweiten Donnerstag ein Update bringen, dafür aber mehr Artikel veröffentlichen. Brandaktuelles, wie zum Beispiel die momentanen Uniproteste sollen trotzdem kurzfristig online gestellt werden. Dieser Plan existiert jedoch erst seit September. Wir wissen noch nicht ob es überhaupt eine gute Idee ist. Wir werden es erst einmal testen.
Daniel: Zusätzlich zu subtext.at gestalten wir einen Podcast, in dem hauptsächlich KünstlerInnen interviewt werden. Dieser erscheint jeweils am entgegengesetzten Donnerstag. Es kommt somit jeden Donnerstag was raus. Ein redaktionelles Update alle zwei Wochen, und der Podcast alle zwei Wochen.
frischluft ist geplant vierteljährlich zu erscheinen. Seit der Fusion im Juni 2009 arbeiten wir daran uns mit dem frischluft-Team zu vernetzen, was schon ganz gut funktioniert. Das Problem ist im Moment rein die Finanzierung. Ein Printprodukt das gratis ist, vierteljährlich erscheint und von Jugendlichen geschrieben ist, stellt eine andere Herausforderung als das Online-Magazin dar. SponsorInnen steigen unserer Erfahrung nach (noch) nicht wirklich darauf ein, die momentane wirtschaftliche Lage tut ihr Übriges dazu. Das Konzept von frischluft müssen wir aber unbedingt überarbeiten. Zum Beispiel ist die Qualität des Drucks, der bis jetzt sehr aufwändig gestaltet war, und der Umfang, zu überdenken. frischluft ist momentan die größte Baustelle die wir haben.
Der QLASH soll alle zwei Monate stattfinden. Er ist mittlerweile fünf mal über die Bühne gegangen. Der Hintergrund von QLASH ist, ein Angebot zu schaffen, das kostenlos für Jugendliche ist und junge Bands vor ein größeres Publikum auf die Bühne bringt. Dies funktioniert ohne Eintritte, sofern es für uns möglich ist. Muss Eintrittsgeld verlangt werden, so soll sich dieses im Rahmen halten. Drei Euro sind für Jugendliche leistbar.
Wie ist subtext organisiert, bzw. wie viele Leute arbeiten an dem Onlinemagazin mit?
Oliver: Wir sind ein sehr dynamisches Team, mal mehr mal weniger. Meistens arbeiten aber bei uns an die 20 Leute mit.
Wie finanziert sich subtext?
Daniel: Unsere Projekte sind stark in der Kulturszene verankert, deshalb haben wir das Glück auf Fördermittel (Kulturförderungen) zurückgreifen zu können. Finanziert sind wir im Moment von Stadt und Land. Die Idee bleibt aber vorerst, nicht als Arbeitgeber zu fungieren oder kommerziell aufzutreten, sondern lediglich unsere Kosten decken zu können - d.h. um die Miete für's Büro und das Equipment zu bezahlen.
Oliver: Der einzige Gewinn, der dabei herauskommt, ist die Erfahrung die wir durch unsere Tätigkeit sammeln können.
Klein, aber trotzdem fein - wie garantiert subtext journalistische Qualität?
Oliver: In erster Linie haben wir dafür ein Lektorenteam gegründet das im Moment aus sechs Personen besteht. Wir stellen uns selbst auch immer hohe Ansprüche, die wir aber auch nicht immer erreichen können. Unser Ziel bleibt aber, ein qualitativ hochwertiges Medium herauszugeben.
Daniel: Wenn wir die Artikel vom Beginn betrachten und mit jenen von heute vergleichen, lässt sich feststellen, dass sich in dieser Zeit viel getan hat. Die Themen sind anders recherchiert, die Formulierungen geschliffener und journalistische Grundregeln werden eingehalten. Ziel bleibt es immer besser zu werden.
Gerade die kleinen Medien leben hauptsächlich von Werbung. Ist es auch bei junQ.at und Co. möglich Werbung zu schalten?
Oliver: Die Möglichkeit gibt es durchaus. Ein Teil unserer Einnahmen wird durch Werbung finanziert. Wir spüren aber, dass der Akquisenmarkt ziemlich eingebrochen ist. Obwohl wir unsere Arbeit professionalisiert haben, sieht es weiterhin mit Werbeschaltungen bei uns nicht so gut aus.
Daniel: Sollten wir so weit kommen, dass nennbare Beträge in der Werbung eingenommen werden, dann ist es auch geplant dieses Geld an die Mitarbeiter als Aufwandsentschädigung weiterzugeben. Momentan liegt der Preis eine Bannerschaltung/Monat auf subtext.at zwischen 75 und 200 Euro.
Ein Blick in die Zukunft: Wo ist junQ.at in fünf Jahren?
Daniel: Ich habe gesehen wie schwierig es ist so etwas vorauszusehen. junQ.at gibt es de facto seit eineinhalb Jahren. Wenn uns damals jemand gesagt hätte, dass wir einmal bei einem Interview mit dem Österreichischen Medienverband sitzen, das wir eine fixe LeserInnenschaft haben und drei Projekte betreiben, dann hätten wir uns das nicht vorstellen können.
Jetzt habe ich einen Antrag auf Fördermittel für die nächsten drei Jahre geschrieben und habe mir dabei extrem schwer getan zu sagen, wo wir in den nächsten drei Jahren stehen wollen. Wir können nur hoffen, dass es weitergeht wie bisher und dass wir einen stetigen Zuwachs an LeserInnen haben. Wir werden journalistisch immer besser und gehen auch über die Grenzen von Linz und OÖ hinaus.
Oliver: Es ist unser Ziel besser und größer zu werden. Um es kurz und simpel auszudrücken.
Was muss passieren, damit subtext.at & Co eingestellt wird. Gibt es einen „point of no return"?
Daniel: (lacht)Wenn uns die Kronen Zeitung kauft.
Oliver: Selbstausbeutung gehört bis zu einem gewissen Maß dazu. Wenn man es wirklich machen will kann man sich nicht dagegen wehren. Und es macht einfach großen Spaß.
Ich glaub' wir würden dann aufhören, wenn's absolut keinen Spaß mehr macht. Bis wir aber diese Grenze erreicht haben brauch es noch ziemlich lang.
Daniel: Wenn ich auf mein Engagement zurückblicke dann kann ich sagen, ich hatte einen recht fordernden Job mit 60 Wochenstunden und hab dann doch noch die Zeit gefunden junQ.at zu machen. Es muss also schon viel passieren dass ich nicht mehr weitermache. Wenns aber soweit geht, dass es sich gesundheitlich auswirkt, oder das Privatleben sehr darunter leidet, dann wird man es sich überlegen müssen ob man weiter tut.
Aber im Moment ist es für Oliver und mich noch gut vereinbar.
Weihnachten ist ja nicht mehr allzu weit. Welchen Wunsch hättet ihr denn da an den Medienverband?
Daniel: Vernetzung ist einfach unheimlich wichtig. Das ist der Hauptwunsch an den Medienverband - eine Vernetzung, mit anderen freien Medien, aber auch mit diversen Institutionen zu schaffen.
Ein weiterer Wunsch wäre „echte" Presseausweise für unser RedakteurInnen und eine Form der Entwicklungshilfe für freie Medien - zum Beispiel Hilfe bei der Erstellung von Förderanträgen.
Oliver: Mein Wunsch ist, dass der Medienverband freien Medien mit Know-How und Kontakten unter die Arme greift. Vor allem auch in der Akquise. Wir wollen uns nicht nur durch Förderungen, sondern auch durch Werbeeinnahmen finanzieren. Außerdem wäre es sehr schön das APA-OTS gratis nutzen zu können.
(Victoria Zedlacher)
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